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DREIKÖNIGSTAGUNG 2010

Foto: KEYSTONE

Die Suche nach der medialen Verheissung an der Dreikönigstagung

Die drei Weisen aus dem Morgenland waren bekanntlich auf der Suche nach einer Verheissung, als sie vor über 2000 Jahren dem Stern folgend in Bethlehem den neugeborenen Messias fanden. Am 5. Januar 2010 waren es zwar keine Weisen, dafür rund 400 Medienfachleute, die sich anhand von verschiedenen rednerischen Stars  zu orientieren versuchten, was wohl die nähere Zukunft bringen würde. Eine allgemein anerkannte klare Richtung oder gar ein Messias waren dabei nicht auszumachen, aber die traditionelle Dreikönigstagung des Medieninstituts liess durchaus einige Funken sprühen. Das runde Dutzend Referenten und Podiumsteilnehmer inspirierte jedenfalls zu vielfältigen Diskussionen und gab vielleicht da oder dort den Impuls zu medialen Neuerungen.

Eine der Konstanten des Tages war wie schon in früheren Jahren das Wehklagen über sinkende Erträge und Leserschaftszahlen sowie über steigende Kosten. Viel zu viele einzelne Titel für den kleinen Markt, eine aus seiner Sicht glücklicherweise abflauende Gratiszeitungs-Pandemie und zu wenig Mut, kräftig ins Internet zu investieren, diagnostizierte der frühere «Handelszeitung»-Verleger und heutige Präsident von Axel Springer International, Ralph Büchi. Und Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument kritisierte die Medienschaffenden kräftig für ihre Vorliebe zur tiefschwarzen Farbe bei der Beschreibung der aktuellen Situation. «Was wir da tun, ist dumm» sagte er unumwunden und rief nach einem Aufbruch aus der aktuellen Glaubwürdigkeitskrise der Printmedien.


Dieses Stichwort nahm der frühere «Tages-Anzeiger»- und SF-Chefredaktor Peter Studer sogleich auf. Der Stellenwert des Qualitätsbewusstseins sei unter dem Druck der finanziellen Situation gesunken, merkte er an und illustrierte dies an einigen verlegerischen Entscheiden des vergangenen Jahres. Das auffälligste Ereignis des Jahres 2009, die neuen Layouts der drei grossen Zürcher Titel «Blick», «Neue Zürcher Zeitung» und «Tages-Anzeiger» fasste er aber immerhin trotz einiger Kritiken positiv zusammen: «Sie haben ihr Profil geschärft».


Dass der Wille zur Qualität durchaus vorhanden ist, demonstrierte im weiteren die «Le Temps»-Direktorin Valérie Boagno. Mit einer Konzentration auf die drei Themenbereiche Politik, Wirtschaft und Kultur sei es gelungen, eine kompetente Redaktion aufzubauen. Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit dem sprachregionalen TV-Sender der Romandie sowie mit Qualitätstiteln in der Schweiz und im französischsprachigen Ausland. Damit sei der Beweis für die Lebensfähigkeit einer französischen Qualitätszeitung in der Westschweiz erbracht, und sie zeigte sich zuversichtlich, dass es gelingen werde, die Zukunft zu meistern.


Ist der Aufbau eines Newsrooms eher eine Sparmassnahme oder eine Investition in die publizistische Qualität, war die nächste Frage. «Beides», sagte General Manager Romanus Otte von Welt Online, der die vor drei Jahren eingeführte Nachrichtenzentrale der verschiedenen «Welt»- und «Berliner Morgenpost»-Objekte vorstellte. Die finanzielle Verbesserung beruhe zu gleichen Teilen auf Einsparungen beim Verlag und in der Redaktion sowie auf neuen Einnahmen mit zusätzlichen Produkten. Allgemein lobte in diesem Zusammenhang eine Chefredaktorendiskussionsrunde mit Andrea Masüger (Publizistischer Direktor Südostschweiz), Hannes Britschgi («Sonntagsblick»), Catherine Duttweiler («Bieler Tagblatt»), und Res Strehle («Tages-Anzeiger») die erzielten oder erhofften finanziellen Verbesserungen durch Synergien mit den jeweils gewählten, unterschiedlichen Redaktionsmodellen.


Da im klassischen Newsroom auch die Online-Redaktionen integriert sind, war damit die Diskussion zum Thema Umgang mit dem Internet lanciert. Die Jungen haben sich daran gewöhnt, dass alles im Internet gratis ist, aber eine ältere und qualitätsbewusstere Generation sei durchaus bereit, für entsprechende Inhalte auch zu bezahlen, sagte der frühere «Libération»-Chefredaktor und heutige Monday-Note-Redaktor Frédéric Filloux. Dafür spreche diese Altersgruppe zurückhaltender auf Werbung an. Für die von manchen Verlegern wenig geliebte Suchplattform Google versprach in diesem Zusammenhang der Schweizer Country Manager Andreas Schönenberger mehr Kontakte zu den Verlagshäusern, um gemeinsam mehr Umsatz und Einkommen zu generieren. Auf Nachfrage von Moderatorin Josefa Haas blieb er allerdings etwas wolkig: Es werde sich zeigen, wie eine bessere Zusammenarbeit aussehen werde, sagte er.


Unter dem Stichwort Anpassung an eine rasch und radikal veränderte Umwelt skizzierte schliesslich Hans-Peter Rohner, Verwaltungsratspräsident der Publigroupe, ein neues Geschäftsmodell des grössten schweizerischen Werbevermarktungsunternehmens. Die «P» setzt nach seinen Worten künftig auf «Local Search», wobei Google hier sowohl Partner als auch Konkurrent sei. Hinzu kommt eine proaktive Medienvermarktung mit dem Angebot einer volldigitalisierten Abwicklungsplattform. Und schliesslich sollen Werbekunden und Agenturen mit einem erfolgsorientierten Service die Vorteile des Affiliate-Marketing erfahren. Konkret sollen kleine Inserate tendenziell teurer, grosse aber günstiger werden, versprach Rohner. Auf die konkrete Umsetzung dieser Zukunftsperspektive werden die Verleger jedenfalls gespannt sein.

 
 

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